Buntmetalldiebe beklauen Leipziger Laubenpieper - 75 Kleingärtner betroffen

Leipzig. Buntmetalldiebstahl in der Kleingartenanlage Volksgarten: Unbekannte Täter haben in der Nacht zum vergangenen Sonnabend aus 75 Gärten an der Torgauer Straße neben Wasserhähnen und -zählern auch ganze Rohrleitungen und Verbindungsstücke mitgehen lassen. Die Polizei schätzt den Schaden auf mehrere tausend Euro und sucht Zeugen.

Nach Angaben der Polizeidirektion Leipzig müssen die Diebe zwischen 19 Uhr abends und 7.50 Uhr in den Morgenstunden bei den Kleingärtnern zugeschlagen haben. Dabei gehen die Beamten davon aus, dass die Plünderer ihre Beute per Schubkarre, Auto oder Lastwagen vom Tatort fortgeschafft haben. Die schiere Masse sei zu schwer gewesen, um das Buntmetall einfach wegzutragen, erklärte Polizeisprecher Mario Weigelt am Montag.  „Wer es war, wissen wir noch nicht", so Weigelt weiter.

Derweil macht sich unter den Laubenpieper des Kleingartenvereins Volksgarten Verdruss breit. „Als wir am Sonnabend zu unserem Arbeitseinsatz hierher gekommen sind, waren die Wasserhähne abgeschraubt", erzählt Kleingärtner Gerhard Stadel. „Das war ein böses Erwachen."

Stadel vermutet, dass die Diebe genau gewusst haben, wann sie zuschlagen müssen. Zumal erst seit dem Arbeitseinsatz der Gartenfreunde am Sonnabend nach den Wintermonaten wieder Wasser durch die Rohre in der Kleingartenanlage fließt. Ohne Druck auf den Leitungen hatten die Diebe freilich leichteres Spiel. Hinzu kommt, dass Wasserhähne und -uhren in den einzelnen Parzellen häufig direkt hinter dem Gartenzaun stehen – mit einem Handgriff leicht erreichbar.

Zwar ist es nicht das erste Mal, dass die Kleingartenanlage von Buntmetalldieben heimgesucht wird. Vor drei Wochen gab es hier bereits einen ähnlichen Vorfall. Allerdings: „In der Größenordnung hatten wir das noch nicht", meint Stadel.

Zwischen 30 und 50 gestohlene Wasserhähne habe der Klempner gezählt, ergänzt Stadels Kleingärtner-Kollege Harry Seidel. Bei einigen sei sogar die Plastikverkleidung mit abgerissen worden. „So ein Wasserhahn ist aus Messing und der bringt Geld beim Schrotthändler", weiß Seidel. Derzeit liegt der Messingpreis bei etwa drei Euro pro Kilo. Dass Buntmetalldiebe auf diesem Weg Kasse machen wollen, weiß auch der Stadtverband Leipzig der Kleingärtner – und will dagegen vorgehen.

„Der Buntmetalldiebstahl macht uns schwer zu schaffen", bekennt Günter Mayer, der für den Kleingarten-Stadtverband spricht. Zudem leitet er die Arbeitsgruppe Sicherheit in Kleingärten unter dem Dach des Kriminalpräventiven Rates der Stadt.

In Zusammenarbeit mit Polizei und Ordnungsamt versucht die Arbeitsgruppe über den Landesverband Sachsen der Kleingärtner eine gesetzliche Ausweispflicht beim Verkauf von Buntmetall an Schrotthändler auf den Weg zu bringen. Danach müsste dann, wer beispielsweise Wasserhähne aus Messing und Edelstahl an den Schrotthändler bringen will, dort seine persönlichen Daten angeben.

Günter Mayer und seine Arbeitsgruppe versprechen sich davon, dem Buntmetalldiebstahl zumindest ansatzweise beizukommen: „Wir sind der Meinung, die Ausweispflicht würde schon helfen, die Bremse zu ziehen." Ein passendes Gesetz auf die Agenda der Landesregierung zu bringen, sei allerdings ein langwieriger Prozess.

Die Polizei bittet Zeugen, die den Diebstahl in der Kleingartenanlage Volksgarten womöglich beobachtet haben, sich unter der Telefonnummer 0341/96 64 66 66 zu melden. Auch Hinweise darauf, wo die Wasserhähne und -uhren aufbewahrt oder angeboten werden, nehmen die Beamten entgegen.

© LVZ-Online, 16.04.2012, 16:43 Uhr